Allgemeines zum Lernbüro

„Guter Unterricht ist ein Unterricht, in dem mehr gelernt als gelehrt wird.“ (Franz E. Weinert)

So wie wir Menschen alle einzigartig sind, so ist auch das Lernen ein sehr individueller Vorgang. Während der eine durch Lesen lernt, gelingt es dem andere durchs Tun. Dabei ist der eine schneller, der andere nimmt sich mehr Zeit. Mancher lernt am erfolgreichsten alleine, andere wiederrum brauchen die Gruppe.

In einer Lerngemeinschaft kommen diese unterschiedlichen Lerntypen zusammen und sollen möglichst erfolgreich ihr Lernen fortsetzen. Um dies zu ermöglichen, muss Schule diese heterogen zusammengesetzten Lerngruppen, durch individualisierte Lernangebote unterstützen.

Das Lernarrangement Lernbüro stellt ein solches Angebot dar. Hier haben die Kinder die Möglichkeit, in ihrem eigenen Lerntempo ein Ziel zu erreichen. Dabei erfahren sie das Lernen als einen Prozess, den sie selbst steuern können und sich selbst als verantwortlich für den eigenen Lernerfolg. Darüber hinaus ermöglichen Lernbüros einen hohen Grad an Differenzierung. Durch individualisiertes Material und in engem Kontakt zu der begleitenden Lehrkraft, kann jede Schülerin und jeder Schüler sein eigenes Lernvorhaben planen, durchführen und reflektierend abschließen.

Die Lehrerinnen und Lehrer als Berater und Lernbegleiter im Lernbüro

Durch die Arbeit in Lernbüros verändert sich auch die Rolle der Lehrerinnen und Lehrer. Sie werden zu Beratern bei der Planung der individuellen Lernvorhaben der Schülerinnen und Schüler. Es bleibt Zeit für die individuelle Förderung und Forderung, da die Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit in den Lernbüros gestärkt werden.

Wie wird im Lernbüro gearbeitet?

Im Lernbüro arbeiten die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe von Modulen eigenständig an kompetenzorientierten Lerneinheiten, die in einem gewissen Zeitfenster zu absolvieren sind. Die Module werden auf der Grundlage des Kerncurriculums für die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik entwickelt und ermöglichen den Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen und auf differenzierten Anforderungsniveaus auf die ihnen eigene Weise zu lernen.

Während des Lernbüros arbeiten die Kinder meist alleine an ihren Aufgaben. Es gibt allerdings auch immer wieder Phasen in Partner- und Gruppenarbeit. So können sie nicht nur miteinander, sondern vor allem auch voneinander lernen.

Nach Beendigung des Moduls und eines „FIT-INs“, der den Lernenden noch einmal eine Rückmeldung über ihren Lernstand gibt, melden sich die Schülerinnen und Schülern zu einem Kompetenztest (KT) an, der einer Lernerfolgskontrolle gleichkommt.

Das bearbeitete Modul wird vollständig bei der Fachlehrkraft abgegeben, da sich dort der Arbeitsprozess nachvollziehen lässt.

Die Benotung setzt sich aus dem Ergebnis des Kompetenztests und dem abgegebenen Modul sowie der Mitarbeit im Unterricht zusammen. Der im Anschluss ausgeteilte Rückmeldebogen gibt Auskunft über die bereits erreichten Kompetenzen sowie die Bereiche, in denen noch intensiver geübt werden soll.

Lernbüro Plus

Neben den Lernbürostunden in Deutsch, Mathematik und Englisch gibt es für jedes dieser Fächer noch eine zusätzliche Stunde in der Woche, in der die Klasse im Klassenverband unterrichtet wird. Hier hat die Fachlehrerin/der Fachlehrer die Möglichkeit, in Themen, Aufgabenstellungen und Methoden einzuführen, um die Schülerinnen und Schüler auf die Arbeit in den Lernbüros vorzubereiten. Die Lernbüro-Plus-Stunden sind damit ein essentieller Bestandteil des Lernbüro-Konzepts.

Jahrgangsübergreifendes Lernen im Lernbüro – Patenmodell

In den Jahrgängen 5 und 6 wird in den Lernbüros jahrgangsübergreifend gearbeitet. Durch das Patenmodell, das bereits in den „Wir lernen uns kennen (Wiluk)-Tagen“ zu Beginn des Schuljahres startet, lernen die Fünftklässer direkt zu Beginn ihren jeweiligen Paten kennen. Bei der Bearbeitung eines Basismoduls in der ersten Stunde des Lernbüros nach den Sommerferien wird der Austausch weiter vertieft. Die Schüler*innen beschäftigen sich mit dem Aufbau des Modulordners, mit dem Aufbau einer Modulseite sowie dem Packen der Schultasche. Die Sechstklässler frischen so ihre Kenntnisse aus dem 5. Schuljahr auf und die neuen Schüler*innen werden von ihren Paten mit der Modularbeit vertraut gemacht.

In den Lernbüros arbeiten sie anschließend in den ersten Wochen nebeneinander parallel an ihren Modulen. Gegenseitiges Unterstützen und Kennenlernen stehen hier im Vordergrund. Durch das Patenmodell haben die Schüler*innen auch einen Ansprechpartner außerhalb der Lernbüros, zum Beispiel auf dem Schulhof oder in der Mensa.

Das jahrgangsübergreifende Lernen sowie das Patenmodell sind Teil unserer Willkommenskultur an der Gesamtschule Velbert-Neviges. Die Ausarbeitung der sozialen Kompetenzen, das Schaffen eines Gemeinschaftsgefühls sowie die Verantwortungsübernahme im Lernprozess gehören zu unserem Leitbild „Miteinander leben, voneinander lernen, füreinander da sein.“